Käthe Sophie Hanschmann
Promovierende/-r - Kohorte 2
Mittel- und neulateinische Philologie
Forschungsprojekt
Wie die meisten der erhaltenen klassischen Autoren wurde der heidnische Dichter Horaz in der mittelalterlichen Schule vor allem zum Spracherwerb gelesen. Seine Stellung im Lektürekanon war aber nicht selbstverständlich. Für jedes seiner Werke galt zu rechtfertigen, inwiefern dessen Lektüre einen Mehrwert für die Ausbildung hatte. In den Accessus, die den meisten Horaz-Kommentaren vorangestellt wurden, werden nicht nur die Vorteile der Horazlektüre dargelegt, sie geben zudem Kontextinformationen - etwa eine kurze Vita oder Informationen über den Werkaufbau -, die auf die Auseinandersetzung mit dem Werk vorbereiten sollen. Zu diesem Zweck werden Informationen über Horaz und sein Werk aus vielen verschiedenen Quellen wie Grammatiken, Kommentaren, Viten, anderen Accessus oder dem Horaztext selbst gesammelt. Auffällig ist, dass die unterschiedlichen Accessus große inhaltliche Übereinstimmungen aufweisen.
Ziel dieses Projektes ist es, die oft nicht gekennzeichneten Quellen in den Accessus zu identifizieren. Durch den Blick auf die individuelle Auswahl von Informationen und deren sprachliche Präsentation soll die autonome Leistung der anonymen Verfasser gewürdigt werden. Durch den systematischen Blick auf die Accessus zu den verschiedenen Werkgruppen des Horaz soll außerdem dazu beigetragen werden, die Widersprüche in der Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Horazrezeption abzuschwächen, die v.a. dadurch entstanden sind, dass die Forschenden eine unterschiedliche, sehr selektive Auswahl an Originaltexten als Grundlage für ihre Schlussfolgerungen wählten.
Curriculum Vitae
Ausbildung
wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehramtsstudium für Gymnasium der Fächer Latein und Mathematik, Friedrich-Schiller-Universität Jena Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes
Praxissemester an der Sportschule „Joh. Chr. Fr. GutsMuths“ Jena
Berufserfahrung
studentische Assistentin bei Prof. Dr. Daub, Professorin für Mittel- und Neulatein, FSU Jena; Mitglied der Forschungsgruppe Papebroch
studentische Tutorin für das Modul Lateinische Sprachkompetenz 1
studentische Assistentin im Graduiertenkolleg GRK 2792 „Autonomie heteronomer Texte“
Präsentationen
4. Doktorand:innentreffen der Mommsen-Gesellschaft (Göttingen): „Die Überlieferung der Horazaccessus im 11. und 12. Jahrhundert“
Laetae segetes IX (Brno, Tschechien): „Making Horace’s Epistula ad Pisones an Ars Poetica”
13. Nachwuchsforum Latein (Gent, Belgien) „How Fama conquered the World. Juan Lation, Austrias Carmen 1480-1659
12. Nachwuchsforum Latein (Leipzig): „Afranius, Epistula. Analyse einer lemmabasierten Datenbank“
11. Nachwuchsforum Latein (Berlin, Germany): „Die korykischen Grotten. Pomponius Mela, De Chorographia libri tres (I, 49-77)”